Donnerstag, 16. Februar 2012

Konzertbericht: Dream Theater

Warum die Musikerselbstmordrate steigt

Falls die Musikerselbstmordrate in den nächsten Tagen wieder steigt, dann liegt das am Konzert von Dream Theater, welches am Dienstag (14.02.12) statt gefunden hat. Denn es sind nicht (wie lange vermutet) Drogen, Alkohol oder der destruktive Lebensstil der die Musiker in den Selbstmord treibt, nein, es ist die Erkenntnis, dass egal wie gut man sein Instrument beherrscht, die Jungs von Dream Theater beherrschen es einfach 100 Mal besser. Das scheint deprimierend zu sein, aber es ist vor allem einfach faszinierend, was die fünf Jungs aus New York drauf haben.
Schon der Beginn des Konzertes ist eindrucksvoll: Um die Spannung bis ins Unerträgliche zu steigern, lassen die Jungs von Dream Theater den Soundtrack vom Kinohit Inception vor dem Gig laufen. Aufregung, Vorfreude und Nervosität liegen merklich in der Luft. Als der Sänger James LaBrie zu Beginn des Konzertes sagt: „We’re going to give you a kick ass show!“, verspricht er nicht zu viel. Vor allem Mike Mangini’s Schlagzeug übertrifft schon durch seine immense Grösse einfach alle Erwartungen. Es sieht aus, als hätte er etwa 15 Toms dabei. Er hat auch absurd viele andere Perkussionsinstrumente dabei, wie beispielsweise einen Gong oder Chimes. Beim zehnminütigen Schlagzeugsolo braucht er schliesslich das ganze Equipment.
Der Keyboarder Jordan Rudess hat einfach Rollen an sein Instrument befestigt, damit er während des Konzerts über die Bühne gleiten kann, und dabei spielen er und Gitarrist John Petrucci ein Duett.
Episch ist definitiv das passende Wort für diesen Gig. Der Schlagzeuger schafft es, mit allen Gliedmassen etwas anderes zu spielen, der Keyboarder spielt als wäre er die Reinkarnation von Joseph Haydn himself, die Finger von Bassist John Myung flitzten einfach nur so übers Griffbrett, der Gitarrist spielt Arpeggios und James LaBrie singt noch dazu. Und es hört sich alles wie aus einem Guss an, so als wären sie wie selbstverständlich eines Morgens aufgewacht, um diese Melodien zu kombinieren, als wäre das keine grosse Angelegenheit.
Es ist kein Wunder, dass viele 0 8 15 Musiker dabei fassungslos sind, denn Dream Theater scheinen dies einfach so zu beherrschen - wie das Atmen.  
J.R. 

Sonntag, 5. Februar 2012

Konzertbericht: Mastodon

Mastodon sind bekannt für schnelle Riffs, häufige Tempowechsel und komplizierte Arrangements. Die vier Musiker aus Atlanta, Georgia besuchten vergangenen Samstag (28.01.12) das X-Tra in Zürich, um dem Schweizer Publikum feinsten Progressive Metal um die Ohren zu hauen. Im Gepäck hatten sie ihr neustes Werk The Hunter welches am 27. September 2011 veröffentlicht wurde.
Nach dem der Support Act Red Fang ihr letztes Lied gespielt haben, werden fix ein paar Verstärker umherbugsiert, Brann Dailors‚ Randy Rhoads - Schlagzeug wird enthüllt und 20 Minuten später stehen die vier Männer auch schon auf der Bühne. Gleich zu Beginn demonstriert Dailor, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Drummer ist, sondern auch ein fähiger Sänger. Schliesslich gibt es Mastodon schon seit zwölf Jahren, und dies ist den Musikern anzumerken. Das ganze Konzert scheint routinemässig abzulaufen. Der Einzige, der sich bewegt, ist Bassist Troy Sanders; die beiden Gitarristen Bill Kelliher und Brent Hinds scheinen am Boden festgewachsen zu sein. Gut, über diesen Aspekt kann hinweggesehen werden, wenn man bedenkt, dass die Beiden einiges zu tun haben an ihren Gitarren. Doch auch der Sound ist nicht das Wahre. Das kleine X-Tra scheint dem Mischer Mühe zu bereiten, sodass es sich matschig und undefiniert anhört. Die unverwechselbaren Riffs verkommen zu einem Gitarrensalat und man wundert sich, ob die Rhythmusfraktion noch an derselben Stelle des Songs ist wie die Gitarristen.
Es ist bekannt, dass Mastodon nicht unter die Top 10 der gesprächigsten Musiker gehören und somit werden die Songs lieblos aneinander gereiht. Kein einziges Mal wird das Publikum angesprochen, was den Eindruck erweckt, dass die Jungs so schnell wie möglich wieder von der Bühne wollen. Erst beim letzen Song werden die ’Mastodudes’ so richtig warm. Sanders betritt die Bühne alleine und beginnt das Bass Intro zum majestätischen und hymnischen Creature Lives. Der ganze Saal fängt an mit zu grölen, was Sanders sichtlich gefällt. Schliesslich stimmen auch die restlichen Drei noch mit ein und holen die Vorband gleich auch noch einmal auf die Bühne. Es werden ein paar Geschenke verteilt in Form von Drumsticks und Plektren und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Mastodon verabschieden sich mit einem „Thank you, we love you“ von Brann Dailor. Ein grandioser Abschluss eines eher mittelmässigen Konzerts.

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