Mittwoch, 18. Mai 2011

Philosophieren am Stammtisch über meinen Feind

Es ist ein gemütlicher, mit viel Sonnenschein erfüllter Tag und dadurch auch unglaublich heiss. Gibt es etwas Schöneres, als in der Hängematte zu liegen und einfach dem Nichtstun nachzugehen? Natürlich war dies eine rhetorische Frage. Doch wer arbeiten muss, kann sich diese Ruhe nicht leisten und schon mach ich mich auf den Weg, um mein Fortbewegungsmittel zu erwischen.
Ich steige in den Zug und denke mir nichts Böses, als ich die Gegenwart von ihm schon spüre. Höllisch grinst er mir ins Gesicht und pustet mir seinen eisigen Atem entgegen. Mein Erzfeind ist wieder da. Wie oft war ich schon tagelang krank im Bett und musste Qualen erleiden. Nur wegen ihm – meinem Erzfeind! Mein Feind ist nicht etwa ein gewöhnlicher 0 8 15 Bösewicht, nein, er kann Leute einfrieren, ihnen schreckliche Halsschmerzen zufügen und sie mit Fieber attackieren. Dieses gottlose Ungetüm ist nämlich nichts anderes als – die KLIMAANLAGE…
Viele von euch werden jetzt denken, ich sei verrückt, aber ich schwöre euch… Diejenigen, die wissen von was ich rede, erleben diese Hölle tagtäglich!
Draussen ist es heiss, glühend heiss, man schwitzt und als Pendler muss man dann in diese Gefriertruhe, die sich Zug nennt, rein! Kein Wunder, dass viele sich erkälten. Doch das Zugteam scheint sich nicht darum zu kümmern: Lustig wie sie sind machen sie das Ganze noch kälter, damit eine zweite Eiszeit heran bricht. Ich sehe sie gerade vor mir mit ihren weissen und hellblauen Gewändern und mit grossen, dicken Eiszäpfen im Gesicht, wie sie am Thermostat drehen bis er −273,15 °C anzeigt. Wer wird uns von diesen Eisgiganten befreien?
Für Leute, die diesen krassen Temperaturunterschieden nicht gewachsen sind, gibt es immer noch die Möglichkeit ein Halstuch und eine Jacken mitzuschleppen, obwohl es dafür draussen viel zu warm ist, aber sobald man in einen Zug rein kommt, wird der Pendler froh darüber sein. Und ich hoffe, dass meinem Erzfeind schon bald die Eiszapfen ausgehen. Spätestens im Winter wird es wieder wärmer in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Väterchen Frost sei Dank!
J.R.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Für dich durchgemacht: Eine katholische Messe

Ostern ist vorbei, der eigentliche Höhepunkt im katholischen Jahreskalender und viele Primarschüler dürfen nun die 1. Heilige Kommunion empfangen. Was für eine Ehre.
Zu diesem Ereignis hab auch ich mich wieder einmal nach langer Zeit in die Kirche geschleppt, denn ein solches Fest will man doch nicht verpassen. Aber die Desillusion machte sich schnell bemerkbar. Der Pfarrer fragte die Kinder aus, was sie mit einem Goldschatz machen würden und ein Knabe meinte, dass er die Schulden zahlen würde. Der Arme… Glücklicherweise hat dann der zweite Knabe, den der Priester fragte, gesagt, dass er sich einen Swimmingpool leisten würde. Sofort sprang der Geistliche auf diese erwünschte Antwort und sagte: „Das ist doch alles nur Luxus, das macht nicht glücklich! Es gibt nur eines, was glücklich macht, nämlich…“ und wieder streckte er sein Mikrophon einer jungen Primarschülerin entgegen, welche schliesslich stammelte: „Gott“ „Ja genau!“, schrie der Pfarrer, sichtlich erfreut über diese Aussage und fragte weiter: „Und was ist Gott?“ „Eh…. Jesus?“ Die Kinder schienen nicht gerade gut vorbereitet zu sein auf diesen doch wichtigen Anlass im Leben eines Katholiken, obwohl der Gottesmann betonte, dass die Katechetin sie ein ganzes Jahr über diesen Anlass informiert hat! 
Um ehrlich zu sein, die Alten machen es nicht besser, obwohl sie immer wieder beteuern, voll und ganz an den christlichen Gott zu glauben. Wie Zombies lallen sie in der Messe das „Vaterunser“ runter, was für mich als Aussenstehende sowieso befremdlich war, dass das Volk alles nach plapperte, was der Priester ihnen vor sagte.
Schliesslich gab der Geistliche noch den allgemeinen Segen, das sollte doch für einen gläubigen Katholiken ein grosses Highlight sein, so im Stil von „Yeah, ich werde gesegnet!“ Doch auch da hatten die braven Kirchgänger wiederum nur ein müdes „Halleluja, Halleluja…“ übrig! Im Ernst, ich übertreibe nicht! Sie schienen bei diesen Worten fast einzuschlafen.
Fazit: Kein Wunder, dass die Kirche als äusserst langweilig empfunden wird, wenn schon die gläubigsten der Gläubigen wie Zombies alles daherlallen und keine Freude mehr für ihre Religion empfinden. Entweder sollte man es richtig machen oder gar nicht…
J.R.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Philosophieren am Stammtisch über die Liebe

Die Rose, die Lilje, die Taube, die Sonne,
Die liebt ich einst alle in Liebeswonne.
Ich lieb sie nicht mehr, ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
Sie selber, aller Liebe Bronne,
Ist Rose und Lilje und Taube und Sonne.“ Heinrich Heine

Kurz gesagt: Es ist Frühling, die Vögel zwitschern und überall blühen kitschige Blumen. Mit diesem Phänomen verbunden regt sich auch etwas im Menschen, es wird richtig warm um sein Herz und ein Wonnegefühl überkommt ihn: Die Frühlingsgefühle sind erwacht und es der ideale Zeitpunkt um sich zu verlieben!
Doch was ist die Liebe? Schmetterlinge im Bauch treten oft als Vorboten für diesen Gemützustand auf, doch sagt uns nicht ein Sprichwort, dass wir uns um diese Emotion zu erzeugen auch Raupen in den Arsch schieben können?
Für Teenager ist Liebe wohl eine Ansammlung von Hormonen, vor allem wenn sie eine hübsche Bitch oder einen heissen Motherfucker sehen. Doch was ist, wenn aus den tapsigen Jugendlichen alte Säcke geworden sind, reichen da die Hormone noch aus, um wirklich von Liebe zu sprechen? Das blosse „ich liebe dich, weil ich Sex mit dir haben möchte“ reicht für eine langfristige Beziehung nicht aus (wobei Ausnahmen die Regel bestätigen). Als alter Sack noch nach der grossen, wahren, echten Liebe zu suchen ist einfältig. Dies scheint nur ein Privileg in Hollywoodfilmen zu sein. Das Happy End bleibt aus.
Die Anfangseuphorie trägt die Beziehung vielleicht zwei, drei Jahre, doch danach bleibt der beschissene Alltag übrig. Am Ende hat man jemanden, der einem seinen ekligen Furunkel auf dem Fǜdli zeigt und fragt, ob man doch so gut sein könne und das Ding mit Salbe einzuschmieren. Der sich mit einem über die Ungerechtigkeit der Welt aufregt, und der auch noch den Vorschlag macht ein paar Köpfe einzuschlagen, damit die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird. Ist das Liebe? Unbedingt! Denn das, was andauert, ist eine tiefe Freundschaft, die sich nicht vor Furunkeln ekelt und die bereit wäre, für den anderen bis ans Äusserste zu gehen. Sprich: die Liebe ist das, was bleibt.
Die anfängliche Geilheit verblasst, die Vertrautheit hält stand. Wenn man schliesslich sagen kann „bei dir kann ich so sein, wie ich wirklich bin“ steht einem Happy End nichts im Weg.
Also, lasst uns auf Furunkeljagd gehen und hoffen, dass sich die Raupen im Arsch in schöne Schmetterlinge im Bauch verwandeln!
J.R.

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