Montag, 17. Oktober 2011

Konzertbericht: Alice Cooper


Theaterbesuch mal anders

Der mittlerweile 63 jährige Schockrocker Alice Cooper gab am vergangenen Sonntag in Winterthur eines seiner legendären Konzerte zum Besten.
Der Grossteil der Fans scheint schon etwas betagt zu sein und nicht selten kann das aufmerksame Auge ganze Familien mit Kindern entdecken. Der Aspekt, dass auch die jungen Familienmitglieder den Rockmusiker sehen dürfen, ist äusserst amüsant. Schliesslich galten seine Shows in den 70er Jahren als so schockierend, dass sie erst ab 18 Jahren freigegeben wurden.
Anfangs fühlt sich das Publikum etwas irritiert, als der in die Jahre gekommener Sänger mit einem Spinnenanzug auf einem hohen Podest steht und sein Kopf fast die Bekanntschaft mit einem Scheinwerfer machen muss. Beim Absteigen verfangen sich die Spinnenarme am Geländer und so manchem kommt dabei der Kultfilm Spinal Tab in den Sinn. Nach diesem lustigen ersten Eindruck bekommt der Zuschauer fast ein bisschen Mitleid mit dem Rocker, denn alle Blicke sind auf seine blonde Gitarristin Orianthi Panagaris gerichtet. Die 26 Jährige bringt schon einige Erfahrung mit sich: Mit Carlos Santana, Steve Vai, Prince und ZZ Top durfte sie schon die Bühne teilen. Doch sie vermag es nicht, Alice die Show zu stehlen, denn für sein fortgeschrittenes Alter verfügt der Musiker über eine beeindruckend gut erhaltene Stimme.
Was einem aber seltsam vorkommen mag, ist, dass er nicht eine einzige Ansage macht: Es geht ohne lange Übergänge von einem Stück zum nächsten. Nur bei einem neuen Song dreht sich Alice um, wodurch das Publikum die Aufschrift auf seiner Jacke „New Song“ lesen kann.
Als Feed my Frankenstein erklingt, hat sich der Sänger kurzerhand in einen verrückten Professor verwandelt und er versucht, eine Puppe zum Leben zu erwecken. Unerwartet taucht ein zwei Meter grosses Ungeheuer auf, das auf der Bühne umhertorkelt. Schliesslich werden auch noch riesige, mit Konfetti gefüllte Ballons ins Publikum geworfen. Aber das scheint dem alten Rocker nicht genug zu sein: Auf einmal regnet es bunte Papierschlangen (wie bei einem Zirkusbesuch).
Mit dem Wort theatralisch lässt sich dieser Auftritt wohl am besten beschreiben, denn die Selbstironie, über die Alice Cooper verfügt, ist einfach unschlagbar. Letztendlich darf natürlich die traditionelle Enthauptung auch nicht fehlen. Alice ist und bleibt ein Unikat der besonderen Sorte.
J.R.

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