Mittwoch, 8. Juni 2011

Für dich erlebt: Tattoo stechen lassen

Auf meinem Rücken ist noch viel Platz, also warum nicht der Körperkunst nachgehen und da mal ein bisschen Farbe drauf klatschen. Schon seit längerer Zeit weiss ich nämlich, was für ein Motiv ich stechen lassen möchte. Doch zu erst muss ein Termin genagelt werden mit meinem Tattoowierer  des Vertrauens.
Wenn ihr euch ein Tattoo stechen lassen wollt, solltet ihr wissen, dass man mit etwa vier bis acht Wochen Wartezeit rechnen muss, bevor der grosse Tag angekommen ist. Ausserdem ist es wichtig, dass ihr es vielleicht nicht gerade im Sommer stechen lasst, denn während der Heilungsphase, die etwa drei Wochen dauert, darf das schöne Bildchen nicht in die Sonne oder in sandiges Seewasser oder verpinkeltes Schwimmbadwasser rein.
Bei mir ist der grosse Tag endlich angekommen und ich bin schon ganz nervös. Unglücklicherweise bekomme ich immer den Dünnschiss, wenn ich aufgeregt bin. Also bevor es losgeht, gehe ich noch in ein Café, um eine warme Schoggi zu trinken, damit ich mich beruhigen kann und um natürlich noch schnell dem Klo einen Besuch abzustatten.
Doch dann gibt es kein zurück mehr. Der erfahrene Tattoowierer begrüsst mich freundlich und fragt, ob ich nervös sei. Natürlich bin ich das, schliesslich bin ich bei meinem ersten Tattoo, das etwa nur 20 Minuten gedauert hat bis es fertig war, in Ohnmacht gefallen. Dieses Tattoo wird riesig sein und darum auch sicher länger dauern! Und der fragt ob ich nervös bin *grummel*. Er hat, glaub ich, etwas Mitleid mit mir, stellt mir ein Glas Wasser hin und gibt mir einen Gummiball, den ich nach Belieben zerquetschen und verbiegen kann, wenn der Schmerz zu gross ist.
Ich muss dazu sagen, dass ich eine echte Memme bin, wenn’s um Schmerzen geht. „Schmerz ist nur eine Illusion.“, versuche ich mir immer wieder einzureden. „Aber eine sehr schmerzhafte!“.
Der Künstler versucht mich abzulenken und fragt, ob ich verreise, was ich in meinem Leben so mache und was meine Hobbys sind. Durch den ohrenbetäubenden Lärm der Tätowiernadel fällt es mir sichtlich schwer, meine Gedanken noch in einer Fremdsprache auszudrücken. Meine Kollegin, die ich fürs Händchen halten dabei hab, steht Rede und Antwort.
Nach sage und schreibe ZWEI Stunden ist das Kunstwerk vollbracht und ich bin sehr glücklich, denn es sieht einfach toll aus! Etwas, was ich ein Leben lang behalten kann.
Fazit: Ich bin zwar kein Masochist, aber diese Körperkunst hat durchaus Suchtpotenzial.
J.R.

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