Mittwoch, 7. Dezember 2011

Philosophieren über Pendler und Zugpassagiere


Stress, Hektik, Panik und ……..Verspätung.
Um auf den Zug zu gelangen legen einige oftmals einen Sprint zu Tage, der sonst nur bei einem Hochleistungsathletiker zu sehen ist. Wenn wir es dann geschafft haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, nämlich auf Gleis 3 um 17:04 Uhr, kommt die grandiose, unglaubliche, mit Nichts zu ersetzende Aussage aus den Lautsprechen: „Der Zug hat circa 15 Minuten Verspätung!“ Welch verheissungsvolle Nachricht. Wahrscheinlich war der Zug zu blöd um auf den Gleisen zu bleiben. Welch Idiotie… Der Schnellzug ist wieder einmal zu langsam, also steigt man auf den Bummler um. Der Bummler ist zwar der schleimige Schneckenkönig unter den Zügen, aber das macht er mit seinen farbenfrohen Passagiern wieder wett. Bei näherer Betrachtung fällt dem Alltagspendler auf, dass es verschiedene Arten von Reisenden gibt. Meines Erachtens lassen die sich in verschiedene Gattungen unterteilen:
  • Der Teenie: Diese Art von halbwüchsigen Wesen tritt nur in Gruppen auf, denn da fühlt er sich wohl und stark. Auch für Laien ist er leicht zu erkennen: Er ist laut, brünstig und hat seine Baseballkappe stets windschief auf dem Kopf. Sein Jargon ist simpel; Redewendungen wie „Ey Mann“ und „Ja voll geil Mann“ sind an der Tagesordnung. Zu beachten ist, dass ein „Mann“ am Satzende steht. Damit sich die Teenies besser finden im Zug, hat einer von ihnen ständig sein Mobiltelefon dabei, dass unaufhörlich „Musik“ abspielt.
  • Der Brummbär: Meistens ist dieses Exemplar schlechter Laune. Nach seiner Denkweise war früher alles besser und heute ist alles schlecht: Das Wetter, die Menschen, die Politik, der Zug, die Schokolade, ja selbst die Schmetterlinge waren in der guten alten Zeit schöner und besser. Diese Pendlerart sollte der Reisenden wenn möglich nicht ansprechen, ansehen oder gar nur in seine Richtung Atmen. Die Konversation, die daraus entstehen könnte, ist eine endlose.
  • Der Verwirrte: Die Menschen, die in diese Gattung gehören, denken ständig, dass sie sich im falschen Zug befinden. Sie fragen ständig den Nachbarn: „Hält dieser Zug in Düdingen?“ *nicken* „Bist du sicher?“ *nicken* „Weil ich muss in Düdingen aussteigen, weißt du?“ Und wenn sich der Nachbar dann fast den Kopf abgenickt hat, sagt die kleine Dame, die sich hinter dem Lautsprecher versteckt: „Nächster Halt: Düdingen.“ Zu den Verwirrten gehören auch diejenigen, die zum ersten Mal an einen Endbahnhof gelangen, denn sie wundern sich, was wohl „Fribourg, Gare Terminus“ bedeutet: „Gare Terminus? Hat den Freiburg zwei Bahnhöfe und einer heisst Terminus?“ Ja, die Billionenstadt Freiburg hat mehrere Bahnhöfe. Dieser Art von Reisenden kann leider nicht mehr geholfen werden.
  • Der Paradiesvogel: Dieser Pendler ist mein persönlicher Favorit. Er macht das Reisen ein Stück lebendiger. Zu dieser Gattung gehört zum Beispiel der Typ namens Güggel, dem ihr vielleicht schon begegnet seid. Mit seinem Hund Lothar und seiner Gitarre versetzt er die stummen Gänge des Zuges mit farbiger Musik. Farbig deshalb, weil ich glaube, dass der Güggel die Töne aus seiner Gitarre bunt sieht. Mit lustigen Parolen, die an das Unikat Mani Matter erinnern, singt er zu seinen Gitarrenklängen. Lothar sitzt wie immer brav neben seinem Herrchen und folgt diesem, wenn er mit einem Hut in der Hand dir Reihen des Zuges abklappert. Der regenbogenfarbene Paradiesvogel und sein treuer Begleiter verlassen allerdings nach kurzer Zeit den Zug.
Wenn der Pendler also im Bummler auf die Gattung der Paradiesvögel trifft, kann er sich glücklich schätzen. Die anderen Arten sind weniger unterhaltsam. Und wenn Güggel seine Lieder singt, verzeiht man dem Zug auch, dass er mit zehn Minuten Verspätung am Zielort angelangt.
Reisen mit dem Zug ist demnach ein Abenteuer: Der Pendler trifft Brummbären, Halbwüchsige, geistig Verworrene und Paradiesvögel. Das Fazit ist also folgendes: Nehmt den Zug, es lohnt sich, manchmal…
J.R.

Philosophieren über das Anstehen


8:00 Uhr, Montagmorgen, der Zug fährt in 15 Minuten. Doch der hungrige Magen will noch ein Gipfeli bevor der Arbeitstag beginnt, also noch schnell zum nahe gelegenen Supermarkt. Doch kaum will man das Gebäck bezahlen, dringt ins Bewusstsein eine erschreckende Erkenntnis: Es hat sich eine lange Schlange vor der Kasse gebildet – der Zug muss wohl oder übel ohne Gipfelikäufer los fahren.
Es ist schon erstaunlich, dass jedes Mal, wenn Mensch sich beeilen muss, eine riesige Kolonne vor der Kasse versammelt ist. Es muss also gewartet werden.
Einige denken einfach auch nicht daran, dass sie während des Wartens ihr Geld schon parat machen könnten, oder wenigstens die Geldbörse aus der Handtasche hervor nehmen könnten. Wenn die Kassiererin alles eingetippt hat und den zu bezahlenden Betrag nennt, heisst es Seitens des Kunden: „Ach, warten Sie schnell, ich muss noch mein Münz zusammen scheffeln.“ Stunden vergehen bei diesem Vorhaben – Endlich, der Kunde hat seine letzten Taler zusammengekratzt. Jetzt wird es sicherlich voran gehen. Aber die Prozedur ist noch nicht vorbei, denn die Kassiererin fragt pflichtbewusst: „Haben Sie unsere Kundenkarte?“, und die Sucherei geht von vorne los… Ist doch egal wenn die Super Card, Cumulus Karte oder Erotik Markt Kundenkarte mal nicht gezeigt wird.  
Es gibt noch andere Gründe: Einige Kunden lechzen oftmals danach, mit den Kassiererinnen ein bisschen Small Talk zu betätigen. Man hat ja sonst niemanden zum Reden. Der Fakt, dass dabei die menschliche Ansammlung dahinter immer grösser wird, scheint für viele nicht von Bedeutung zu sein. Niemand soll bei diesem Kaffeekränzchen stören.
Die Schlimmsten sind diejenigen, die vergessen ihr Obst oder Gemüse abzuwägen. Gemütlich wandern sie zur Waage zurück, tippen langsam die Nummer ein und kleben die Etikette dran. Bei diesem Schneckentempo reisst der Geduldsfaden.
Allerdings sind die Damen hinter der Kasse nicht besser: Wie in Zeitlupe tippen sie ein Nahrungsmittel nach dem anderen ein, ganz schläfrig – sie dösen schon fast *schnarch*... Juhu, ein weiterer Schritt kann gemacht werden und Freudengeschrei, die Kasse wurde erreicht. Doch wie viel mag wohl dieses Gipfeli kosten, da muss Kassiererin das Bilderbuch mit den Preisen konsultieren *seufz*.
Falls der Kunde es jemals schafft, diese Münz- und Kundenkartensuchenden, Gesprächsgierigen und in Zeitlupe lebenden Kassieren hinter sich zu lassen, ist eins gewiss, dass er zu spät kommt, egal wohin.
J.R.

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