Der Rico hat mir gesagt, ich müsse unbedingt bevor ich sterbe einmal nach Paris gehen, denn die Stadt der Liebe sei einfach atemberaubend. Also, warum nicht? Mit dem TGV geht’s dann auch gleich los, natürlich 1. Klasse, was sonst. Allerdings wusste ich nicht, dass die Gäste der oberen Schicht grundsätzlich anders behandelt werden als die Armen. Ich habe wie immer mein Picknick eingepackt. Doch da kommt schon die Zugbegleiterin und fragt mich, was ich wohl zum Frühstück essen möchte. Na ja, Sandwich für die Katz eingepackt.
Nach ca. 3 ½ Stunden Fahrt kommen wir schliesslich am Gare de Lion an. Unser „Reiseführer“ (er hat ein Jahr in Paris studiert) meint: „Riech mal, es riecht schon nach zu Hause!“ Eh… ja… es riecht nach vielen Leuten, also Schweiss und diverse andere Körpergerüche und Abfall. Ja, fast so wie bei mir zu Hause auf dem Land (ironischer Unterton).
Unser Hotel ist glücklicherweise nicht weit entfernt, das Hotel Bastille. Nach einem kurzen Zimmercheck geht die Reise auch weiter, schliesslich wollen wir so viel wie möglich sehen. „Als Erstes sehen wir den grossen Arsch!“ Das habe ich verstanden, allerdings meinte er wohl eher La Grande Arche. Also geht es mit der Metro bis nach La Défense um diesen neuen Triumphbogen zu sehen. Wer auf moderne Architektur steht, sollte diesen Teil unbedingt besuchen. Was beeindruckend ist, ist dass dieser Triumphbogen auf einer Geraden zum bekannten Arc de Triomphe liegt, d.h. man kann ihn ganz weit hinten noch sehen. Für mich war allerdings der grosse Daumen interessanter: Da steht wirklich ne riesige Statue von einem Daumen. Faszinierend!
Danach geht’s auch schon zum richtigen Triumphbogen mit anschliessendem balader sur l’Avenue des Champs-Élysées.
Weiter geht’s zum grossen Kaufhaus Lafayette. Hier findet jeder was das Herz begehrt, sogar Schnaps in einer gitarrenförmigen Flasche.
Übrigens sieht man fast von überall den Eiffelturm, so dass er schon gar nicht mehr auffällt. Wir wollen ihn trotzdem noch aus der Nähe betrachten, darum gehen wir bei Anbruch der Dunkelheit auf ihn zu. Und, wie kitschig ist das denn: Er leuchtet nicht nur, nein, zur vollen Stunde fängt er auch noch für ganze fünf Minuten zu glitzern an. Zu hören ist da nur noch ein „Oooohh!!“ aus tausend Touristenmündern. Zu viel des Guten für meinen Geschmack.
Der Louvre ist übrigens auch sehr sehenswert. Aber es dauert Jahre, bis ein normaler Tourist wirklich alles darin sehen konnte. Die Mona Lisa ist allerdings sehr enttäuschend: voll klein.
Beim Hügel Montmartre tummeln sich die Künstler und Maler und dies ist wirklich ein erstaunlicher Anblick. Sie kritzeln ein paar Striche hin und schon ist ein perfektes Portrait entstanden.
Beim Hinunterlaufen kann es sein, dass der Tourist eines der bekanntesten Kabaretts sehen kann, nämlich Le Moulin Rouge. Da sollten alle aber ganz schnell vorbei laufen, denn unserem „Reiseführer“ ist es passiert, dass ihn eine junge Dame angesprochen hat: „Salut mon chèri!“ Durch unser Gelächter hat sie allerdings gemerkt, dass dieser Mann nicht zu haben ist.
Übrigens haben wir auch noch eine Freiheitsstatue gesehen. Hä? Die gibt’s doch nur in New York. Falsch! In Paris gibt es ganze vier Freiheitsstatuen.
Wer das Grab von berühmten Persönlichkeiten besuchen will, sollte ohne Zweifel den Friedhof von Père Lachaise besuchen. Er scheint ein bisschen zerfallen, aber dies ist nur, weil alle Tote, wenn sie mal auf dem Friedhof sind, auch da bleiben. Es gibt uralte Grabhäuschen und wenn alle Familienangehörige gestorben sind, kann sich auch niemand mehr darum kümmern. Bei einigen Gräbern sind sogar meterhohe Bäume hinausgewachsen, was vom hohen Alter dieser Stätte zeugt. Aber zurück zu den Berühmtheiten: Leute wie Balzac, Chopin, Jim Morrison, Édith Piaf, Saint-Exupéry und Oscar Wilde sind da bestattet.
Was allerdings sehr anstrengend ist in Paris, ist das Metrofahren: Kaum ist man mal drin und kann sitzen, muss man auch wieder aussteigen und Kilometer um Kilometer herum laufen bis man den Ausgang oder die Anschlussverbindung findet. Dabei muss man zahllose Treppen hinauf und hinunter steigen; es nimmt kein Ende. Also rollstuhlfreundlich ist diese Stadt überhaupt nicht!
Das Essen wiederum ist délicieux in Paris. Mein Lieblingsrestaurant ist… ich weiss leider nicht mehr wie es heisst, aber es ist zentral gelegen und es hängt ein Fahrrad drinnen an der Decke, man kann es nicht verfehlen!
Fazit: Paris ist alles, ausser vielleicht die klischeehafte Stadt der Liebe. Es gibt wunderschöne Gebäude, ausserordentliche Architektur von alt bis neu und sogar die Clochards gehören einfach zu Paris wie der rostige Eiffelturm. Es lohnt sich auf alle Fälle diese Stadt zu erkunden. Ich war schliesslich auch nicht das erste und bestimmt nicht das letzte Mal in Paris. Vom Hörensagen habe ich nämlich mitbekommen, dass es unter ganz Paris Katakomben voller Skelette und Schädel gibt. Das muss ich unbedingt sehen!
Übrigens, falls ihr so wie der Rico hier auch mal wollt, dass ich für euch etwas erlebe, teste oder durchmache, dann schreibt einfach eine Mail an info@swiss-radio.ch und ich mach’s!
J.R.

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