Sonntag, 22. Januar 2012

Für dich erlebt: Paris, die Stadt der…





Der Rico hat mir gesagt, ich müsse unbedingt bevor ich sterbe einmal nach Paris gehen, denn die Stadt der Liebe sei einfach atemberaubend. Also, warum nicht? Mit dem TGV geht’s dann auch gleich los, natürlich 1. Klasse, was sonst. Allerdings wusste ich nicht, dass die Gäste der oberen Schicht grundsätzlich anders behandelt werden als die Armen. Ich habe wie immer mein Picknick eingepackt. Doch da kommt schon die Zugbegleiterin und fragt mich, was ich wohl zum Frühstück essen möchte. Na ja, Sandwich für die Katz eingepackt.
Nach ca. 3 ½ Stunden Fahrt kommen wir schliesslich am Gare de Lion an. Unser „Reiseführer“ (er hat ein Jahr in Paris studiert) meint: „Riech mal, es riecht schon nach zu Hause!“ Eh… ja… es riecht nach vielen Leuten, also Schweiss und diverse andere Körpergerüche und Abfall. Ja, fast so wie bei mir zu Hause auf dem Land (ironischer Unterton).
Unser Hotel ist glücklicherweise nicht weit entfernt, das Hotel Bastille. Nach einem kurzen Zimmercheck geht die Reise auch weiter, schliesslich wollen wir so viel wie möglich sehen. „Als Erstes sehen wir den grossen Arsch!“ Das habe ich verstanden, allerdings meinte er wohl eher La Grande Arche. Also geht es mit der Metro bis nach La Défense um diesen neuen Triumphbogen zu sehen. Wer auf moderne Architektur steht, sollte diesen Teil unbedingt besuchen. Was beeindruckend ist, ist dass dieser Triumphbogen auf einer Geraden zum bekannten Arc de Triomphe liegt, d.h. man kann ihn ganz weit hinten noch sehen. Für mich war allerdings der grosse Daumen interessanter: Da steht wirklich ne riesige Statue von einem Daumen. Faszinierend!
Danach geht’s auch schon zum richtigen Triumphbogen mit anschliessendem balader sur l’Avenue des Champs-Élysées.
Weiter geht’s zum grossen Kaufhaus Lafayette. Hier findet jeder was das Herz begehrt, sogar Schnaps in einer gitarrenförmigen Flasche.
Übrigens sieht man fast von überall den Eiffelturm, so dass er schon gar nicht mehr auffällt. Wir wollen ihn trotzdem noch aus der Nähe betrachten, darum gehen wir bei Anbruch der Dunkelheit auf ihn zu. Und, wie kitschig ist das denn: Er leuchtet nicht nur, nein, zur vollen Stunde fängt er auch noch für ganze fünf Minuten zu glitzern an. Zu hören ist da nur noch ein „Oooohh!!“ aus tausend Touristenmündern. Zu viel des Guten für meinen Geschmack.
Aber es gibt nicht nur Kitsch in Paris, sondern auch Penner: Die berühmten Clochards. Sie sind in allen Ecken zu finden, pinkeln überall hin und lieben die Metro. Irgendwie machen diese Clochards Paris etwas realer, authentischer und na ja, vielleicht sogar etwas stilvoller.
Eines der schönsten Gebäude in Paris ist die Kathedrale Notre-Dame. Die gotische Bauweise ist einfach genial und wenn man da rein geht, fühlt man sich ganz klein und unbedeutend. Sie wurde von 1163-1345 errichtet. Das muss man sich mal vorstellen: 182 Jahre lang haben Menschen an diesem Kunstwerk gebaut. Die Fensterbilder sind einfach wunderschön und so farbenprächtig. Dieses Gebäude stellt einfach alles in den Schatten. Was mich allerdings sehr stört, sind die Preisschilder in der Kathedrale: Da ein Stand, wo Kärtchen, Rosenkrätze und sonstiges religiöses Zeugs verkauft wird und da können Kerzen gekauft werden. Ich find ja das schon ein bisschen blasphemisch, in einer Kirche Dinge zu verkaufen. Was soll’s, in der weissen Kirche Sacré-Coeur ist es noch schlimmer mit dem Konsumverhalten.
Der Louvre ist übrigens auch sehr sehenswert. Aber es dauert Jahre, bis ein normaler Tourist wirklich alles darin sehen konnte. Die Mona Lisa ist allerdings sehr enttäuschend: voll klein.
Beim Hügel Montmartre tummeln sich die Künstler und Maler und dies ist wirklich ein erstaunlicher Anblick. Sie kritzeln ein paar Striche hin und schon ist ein perfektes Portrait entstanden.
Beim Hinunterlaufen kann es sein, dass der Tourist eines der bekanntesten Kabaretts sehen kann, nämlich Le Moulin Rouge. Da sollten alle aber ganz schnell vorbei laufen, denn unserem „Reiseführer“ ist es passiert, dass ihn eine junge Dame angesprochen hat: „Salut mon chèri!“ Durch unser Gelächter hat sie allerdings gemerkt, dass dieser Mann nicht zu haben ist.
Übrigens haben wir auch noch eine Freiheitsstatue gesehen. Hä? Die gibt’s doch nur in New York. Falsch! In Paris gibt es ganze vier Freiheitsstatuen.
Der Jardin du Luxembourg ist auch ein absolutes Muss! Da findet man eine der vier Freiheitsstatuen, allerdings nicht ganz so gross wie die in New York.
Wer das Grab von berühmten Persönlichkeiten besuchen will, sollte ohne Zweifel den Friedhof von Père Lachaise besuchen. Er scheint ein bisschen zerfallen, aber dies ist nur, weil alle Tote, wenn sie mal auf dem Friedhof sind, auch da bleiben. Es gibt uralte Grabhäuschen und wenn alle Familienangehörige gestorben sind, kann sich auch niemand mehr darum kümmern. Bei einigen Gräbern sind sogar meterhohe Bäume hinausgewachsen, was vom hohen Alter dieser Stätte zeugt. Aber zurück zu den Berühmtheiten: Leute wie Balzac, Chopin, Jim Morrison, Édith Piaf, Saint-Exupéry und Oscar Wilde sind da bestattet.
Was allerdings sehr anstrengend ist in Paris, ist das Metrofahren: Kaum ist man mal drin und kann sitzen, muss man auch wieder aussteigen und Kilometer um Kilometer herum laufen bis man den Ausgang oder die Anschlussverbindung findet. Dabei muss man zahllose Treppen hinauf und hinunter steigen; es nimmt kein Ende. Also rollstuhlfreundlich ist diese Stadt überhaupt nicht!
Das Essen wiederum ist délicieux in Paris. Mein Lieblingsrestaurant ist… ich weiss leider nicht mehr wie es heisst, aber es ist zentral gelegen und es hängt ein Fahrrad drinnen an der Decke, man kann es nicht verfehlen!
Fazit: Paris ist alles, ausser vielleicht die klischeehafte Stadt der Liebe. Es gibt wunderschöne Gebäude, ausserordentliche Architektur von alt bis neu und sogar die Clochards gehören einfach zu Paris wie der rostige Eiffelturm. Es lohnt sich auf alle Fälle diese Stadt zu erkunden. Ich war schliesslich auch nicht das erste und bestimmt nicht das letzte Mal in Paris. Vom Hörensagen habe ich nämlich mitbekommen, dass es unter ganz Paris Katakomben voller Skelette und Schädel gibt. Das muss ich unbedingt sehen!
Übrigens, falls ihr so wie der Rico hier auch mal wollt, dass ich für euch etwas erlebe, teste oder durchmache, dann schreibt einfach eine Mail an info@swiss-radio.ch und ich mach’s!
J.R. 

Freitag, 6. Januar 2012

Philosophieren über Identitätsbildung


Wer bin ich eigentlich? Wo gehe ich hin? Und wie viel Zeit werde ich noch haben? Dies sind wohl die philosophischsten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann.
Die Frage wer wir wirklich sind, kann ganz einfach beantwortet werden: Schau in den Spiegel, da siehst du dich. Aber da sehen wir nur die äussere Schicht, nur die Spitze des Eisberges. Unser Charakter, unser Denken und unsere Gefühle können wir nicht sehen; dies liegt verborgen. Biografien von berühmten Persönlichkeiten geben tiefe Einblicke in deren Welt und somit auch in ihr, na nennen wir es mal ihr Sein. Was den Meisten aber unklar ist, ist dass genau solche Biografien nur die positiven Aspekte der Person darstellen, oder das Wunschbild, das was die Person gerne sein würde. Denn seien wir ehrlich, wer würde schon ein Buch über sich selber veröffentlichen in dem steht: „ich bin ein Säufer und ein absolutes Arsch.“ (Ausser vielleicht Lemmy von Motörhead).
Das Gleiche sehen wir z.B. bei den Facebook Profilen: Sie geben nicht wirklich uns wieder, unser Sein, aber das, was wir gerne sein würden: Ein Partyhengst, eine Intelligenzbestie oder ein erfolgreicher Künstler. Die Identitäten, die wir von uns selber bilden, sind demnach nur Konstrukte.
Einige werden sagen, ich verstelle mich nicht, ich bin absolut authentisch. Doch wie oft fügen wir uns den täglichen Konventionen: Wir lachen in der Gruppe über einen Witz, den wir nicht verstanden haben – wir gehen feiern und machen richtig viel Party, obwohl wir lieber zu Hause im Bett sein würden – und wir tun so, als würden wir die komplizierten Äusserungen, die unsere Bekannten von sich geben, verstehen. Warum ist das so? Warum lachen wir über Witze, die wir nicht verstanden haben oder nicken freundlich, wenn uns jemand etwas Hochkomplexes erklärt? Warum gehen wir Party machen, obwohl wir lieber ein gutes Buch lesen würden? Wir wollen uns keine Blösse geben. Wir wollen das Konstrukt, dass wir genau so wie alle anderen auch den Witz verstanden haben, aufrecht erhalten. Wir wollen zeigen, dass wir genau so intelligent, oder kulturell oder partymässiggutdrauf sind wie alle anderen auch. Obwohl wir lieber etwas anderes machen würden, oder gerne nachfragen würden, wie der Witz oder das hochkomplexe Gedankenspiel gemeint ist.
Fazit: Wir sollten uns bewusster werden, wer wir, oder was unser Sein wirklich ist. Das, was wir gegen Aussen hin repräsentieren, sollten wir nicht unbedingt als unsere wirkliche Identität betrachten.
J.R.

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