Freitag, 1. Juni 2012

Konzertbericht: Sonisphere Festival 2012


Schönes Wetter, geile Bands und Stromausfall



Am Mittwoch fand das diesjährige Sonisphere Festival in Yverdon statt. Schon am Nachmittag um 15 Uhr wurden die Tore geöffnet und tausende Metalfans aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und sogar aus Spanien pilgerten in den Kanton Waadt.

In der glühenden Hitze machte die Pagan-Metal Band Eluveitie den Auftakt. Allerdings durften sie nur ca. eine halbe Stunde spielen. Danach gab sich schon die französische Death-Metal Band Gojira die Ehre. Da passierte ein kleines Missgeschick: Während den heftigen Gitarrenklängen war auf einmal nichts mehr zu hören. Hatte jemand den Stecker raus gezogen oder gab es einen Stromausfall? Die Schuld lag wohl an der Technik.

Das plötzliche Ausfallen der Musik setzte sich bei der amerikanischen Band Mastodon fort. Immer häufiger spielten die „Mastodudes“ wunderschöne Riffs, und zu hören war nichts. Dies löste Verdruss und Ärger beim Publikum aus.  Aber Mastodon liess sich nicht davon beirren und spielte wie echte Profis einfach weiter. Hut ab für die vier Jungs aus Amerika, aber ein lautes „Buuuh!“ für die Technik.
Bei Slayer waren die technischen Schwierigkeiten glücklicherweise wieder behoben und die Thrash-Metaler lieferten einen souveränen Auftritt. Um den Gig der kalifornischen Schlächter zu beschreiben, braucht es nur zwei Worte: äusserst präzise.




Auch Motörhead war wie immer grossartig. Die obligatorischen Worte des Frontmanns Lemmy „We are Motörhead and we play fucking Rock’n’Roll“ durften natürlich auch nicht fehlen. 

Schliesslich kam der Hauptact auf die Bühne: Metallica. Das ganze Black Album hatten sie im Gepäck, da dies nun schon seit 20 Jahren besteht. Natürlich spielten sie auch andere Klassiker. Schon der zweite Song war das legendäre Master of Puppets und die Euphorie des Publikums, die dabei entstand, hielt das ganze Konzert an. Mit Lasern, Feuerwerk und Ballons wurde die ganze Show aufgepeppt. Der Frontmann James Hetfield bemerkte etwas, was dem Publikum schon lange aufgefallen war: „It’s beautiful here, but it smells bad!“. Vom Neuenburgersee kam nämlich ein fischiger Windhauch. Vielleicht war dieser penetrierende Duft der Grund dafür, dass sich die vier Jungs beim Song Nothing Else Matters verspielt haben. Ja, auch den Grossen unterläuft mal ein kleiner Fehler, aber das macht sie nur umso sympathischer. Und die Freude des Publikums konnte dadurch sowieso nicht gebremst werden.

Was allerdings dem vollkommenen Glück im Wege stand, war die Wartezeit vor der Bar. Bis zu 30 Minuten mussten die durstigen Zuschauer verweilen, um ein kühles Bier zu ergattern.
Letztendlich war das Sonisphere 2012 ein gelungener Anlass, um den Festivalsommer einzuläuten.
Text: Janine Rufener, Bilder: Yannik Waeber

Dienstag, 15. Mai 2012

Konzertbericht: Judas Priest


Rocka Rolla oder die klassische Heavy Metal Band

                                                                                            Bilder: Yannik Waeber


„The Boys are back in Town!“ am Samstagabend gab sich zuerst Thin Lizzy die Ehre, als sie als Vorgruppe von Judas Priest dem Forum in Freiburg einheizten. Da durfte auch der irische Volkssong Whiskey in the Jar nicht fehlen.
Danach kamen Judas Priest mit ihrer Nieten- und Lederkluft auf die Bühne. Das faszinierendste an den fünf Briten ist, dass sie eigentlich schon zum alten Eisen gehören. Und dennoch sind sie nicht von der Metal-Szene wegzudenken, wie Rob Halford selber sagt: „We are a very classical Heavy Metal Band!“
Mit Songs wie Breaking the Law und Nightcrawler schaffen es die Altmetaler immer noch, das Publikum zum Kopfschütteln zu animieren. Da verzeiht man den Herren auch, dass sie sich fast nicht bewegen. Schliesslich feierte der Leadsänger seinen 60. Geburtstag im vergangenen Jahr. Was an Bewegung fehlt, machen Judas Priest mit exaktem Spiel wieder wett: Harte Gitarrenklänge, dröhnendes Schlagzeug und die Stimme von Mister Halford, welche die hohen Tonlagen immer noch trifft, tragen zu einem gelungen Abend bei. 
Dem Schlagzeuger Scott Travis scheint es allerdings etwas langweilig an seinem Instrument zu sein: Nicht nur beim Schlagzeugsolo schleudert er seine Stöcke in die Höhe und fängt sie dann mit Leichtigkeit wieder auf, sondern durch den ganzen Gig hindurch präsentiert er dieses Kunststück.                               
Fast zeitgleich wirbelt er dabei den anderen Stock ganz verspielt in der Hand herum und dies macht er, während er den Anfang vom legendären Song Painkiller spielt.
Die Bühnenshow ist allerdings gleich wie die letzten drei Mal, als sie die Schweiz besuchten: Bei Hell Bent for Leather fährt Rob Halford mit dem Motorrad auf die Bühne. Auch das Vor- und Nachsingen mit dem Publikum und die Schweizerflagge auf dem Rücken, kennen die treuen Fans schon. An dieser Stelle muss aber bemerkt werden, dass die ganze Show mit vielen Lasern und Nebelmaschinen aufgemotzt wurde.
Schliesslich endet das musikalisch gute, aber an Bewegung mangelnde Konzert mit dem Song Living after Midnight.
                                                  Bild: Yannik Waeber
Fazit: Die alten Herren haben die Metal Szene sehr geprägt und jeder, der gerne richtigen Heavy Metal hört, sollte Judas Priest live sehen. Und wer sie nicht mag, dem sollte noch gesagt sein: Rob Halford ist nicht nur ein klasse Sänger, sondern er ist auch der erste Metal-Sänger, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Schon nur deswegen hat Judas Priest unsere Anerkennung verdient.
Janine Rufener

Donnerstag, 16. Februar 2012

Konzertbericht: Dream Theater

Warum die Musikerselbstmordrate steigt

Falls die Musikerselbstmordrate in den nächsten Tagen wieder steigt, dann liegt das am Konzert von Dream Theater, welches am Dienstag (14.02.12) statt gefunden hat. Denn es sind nicht (wie lange vermutet) Drogen, Alkohol oder der destruktive Lebensstil der die Musiker in den Selbstmord treibt, nein, es ist die Erkenntnis, dass egal wie gut man sein Instrument beherrscht, die Jungs von Dream Theater beherrschen es einfach 100 Mal besser. Das scheint deprimierend zu sein, aber es ist vor allem einfach faszinierend, was die fünf Jungs aus New York drauf haben.
Schon der Beginn des Konzertes ist eindrucksvoll: Um die Spannung bis ins Unerträgliche zu steigern, lassen die Jungs von Dream Theater den Soundtrack vom Kinohit Inception vor dem Gig laufen. Aufregung, Vorfreude und Nervosität liegen merklich in der Luft. Als der Sänger James LaBrie zu Beginn des Konzertes sagt: „We’re going to give you a kick ass show!“, verspricht er nicht zu viel. Vor allem Mike Mangini’s Schlagzeug übertrifft schon durch seine immense Grösse einfach alle Erwartungen. Es sieht aus, als hätte er etwa 15 Toms dabei. Er hat auch absurd viele andere Perkussionsinstrumente dabei, wie beispielsweise einen Gong oder Chimes. Beim zehnminütigen Schlagzeugsolo braucht er schliesslich das ganze Equipment.
Der Keyboarder Jordan Rudess hat einfach Rollen an sein Instrument befestigt, damit er während des Konzerts über die Bühne gleiten kann, und dabei spielen er und Gitarrist John Petrucci ein Duett.
Episch ist definitiv das passende Wort für diesen Gig. Der Schlagzeuger schafft es, mit allen Gliedmassen etwas anderes zu spielen, der Keyboarder spielt als wäre er die Reinkarnation von Joseph Haydn himself, die Finger von Bassist John Myung flitzten einfach nur so übers Griffbrett, der Gitarrist spielt Arpeggios und James LaBrie singt noch dazu. Und es hört sich alles wie aus einem Guss an, so als wären sie wie selbstverständlich eines Morgens aufgewacht, um diese Melodien zu kombinieren, als wäre das keine grosse Angelegenheit.
Es ist kein Wunder, dass viele 0 8 15 Musiker dabei fassungslos sind, denn Dream Theater scheinen dies einfach so zu beherrschen - wie das Atmen.  
J.R. 

Sonntag, 5. Februar 2012

Konzertbericht: Mastodon

Mastodon sind bekannt für schnelle Riffs, häufige Tempowechsel und komplizierte Arrangements. Die vier Musiker aus Atlanta, Georgia besuchten vergangenen Samstag (28.01.12) das X-Tra in Zürich, um dem Schweizer Publikum feinsten Progressive Metal um die Ohren zu hauen. Im Gepäck hatten sie ihr neustes Werk The Hunter welches am 27. September 2011 veröffentlicht wurde.
Nach dem der Support Act Red Fang ihr letztes Lied gespielt haben, werden fix ein paar Verstärker umherbugsiert, Brann Dailors‚ Randy Rhoads - Schlagzeug wird enthüllt und 20 Minuten später stehen die vier Männer auch schon auf der Bühne. Gleich zu Beginn demonstriert Dailor, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Drummer ist, sondern auch ein fähiger Sänger. Schliesslich gibt es Mastodon schon seit zwölf Jahren, und dies ist den Musikern anzumerken. Das ganze Konzert scheint routinemässig abzulaufen. Der Einzige, der sich bewegt, ist Bassist Troy Sanders; die beiden Gitarristen Bill Kelliher und Brent Hinds scheinen am Boden festgewachsen zu sein. Gut, über diesen Aspekt kann hinweggesehen werden, wenn man bedenkt, dass die Beiden einiges zu tun haben an ihren Gitarren. Doch auch der Sound ist nicht das Wahre. Das kleine X-Tra scheint dem Mischer Mühe zu bereiten, sodass es sich matschig und undefiniert anhört. Die unverwechselbaren Riffs verkommen zu einem Gitarrensalat und man wundert sich, ob die Rhythmusfraktion noch an derselben Stelle des Songs ist wie die Gitarristen.
Es ist bekannt, dass Mastodon nicht unter die Top 10 der gesprächigsten Musiker gehören und somit werden die Songs lieblos aneinander gereiht. Kein einziges Mal wird das Publikum angesprochen, was den Eindruck erweckt, dass die Jungs so schnell wie möglich wieder von der Bühne wollen. Erst beim letzen Song werden die ’Mastodudes’ so richtig warm. Sanders betritt die Bühne alleine und beginnt das Bass Intro zum majestätischen und hymnischen Creature Lives. Der ganze Saal fängt an mit zu grölen, was Sanders sichtlich gefällt. Schliesslich stimmen auch die restlichen Drei noch mit ein und holen die Vorband gleich auch noch einmal auf die Bühne. Es werden ein paar Geschenke verteilt in Form von Drumsticks und Plektren und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Mastodon verabschieden sich mit einem „Thank you, we love you“ von Brann Dailor. Ein grandioser Abschluss eines eher mittelmässigen Konzerts.

Sonntag, 22. Januar 2012

Für dich erlebt: Paris, die Stadt der…





Der Rico hat mir gesagt, ich müsse unbedingt bevor ich sterbe einmal nach Paris gehen, denn die Stadt der Liebe sei einfach atemberaubend. Also, warum nicht? Mit dem TGV geht’s dann auch gleich los, natürlich 1. Klasse, was sonst. Allerdings wusste ich nicht, dass die Gäste der oberen Schicht grundsätzlich anders behandelt werden als die Armen. Ich habe wie immer mein Picknick eingepackt. Doch da kommt schon die Zugbegleiterin und fragt mich, was ich wohl zum Frühstück essen möchte. Na ja, Sandwich für die Katz eingepackt.
Nach ca. 3 ½ Stunden Fahrt kommen wir schliesslich am Gare de Lion an. Unser „Reiseführer“ (er hat ein Jahr in Paris studiert) meint: „Riech mal, es riecht schon nach zu Hause!“ Eh… ja… es riecht nach vielen Leuten, also Schweiss und diverse andere Körpergerüche und Abfall. Ja, fast so wie bei mir zu Hause auf dem Land (ironischer Unterton).
Unser Hotel ist glücklicherweise nicht weit entfernt, das Hotel Bastille. Nach einem kurzen Zimmercheck geht die Reise auch weiter, schliesslich wollen wir so viel wie möglich sehen. „Als Erstes sehen wir den grossen Arsch!“ Das habe ich verstanden, allerdings meinte er wohl eher La Grande Arche. Also geht es mit der Metro bis nach La Défense um diesen neuen Triumphbogen zu sehen. Wer auf moderne Architektur steht, sollte diesen Teil unbedingt besuchen. Was beeindruckend ist, ist dass dieser Triumphbogen auf einer Geraden zum bekannten Arc de Triomphe liegt, d.h. man kann ihn ganz weit hinten noch sehen. Für mich war allerdings der grosse Daumen interessanter: Da steht wirklich ne riesige Statue von einem Daumen. Faszinierend!
Danach geht’s auch schon zum richtigen Triumphbogen mit anschliessendem balader sur l’Avenue des Champs-Élysées.
Weiter geht’s zum grossen Kaufhaus Lafayette. Hier findet jeder was das Herz begehrt, sogar Schnaps in einer gitarrenförmigen Flasche.
Übrigens sieht man fast von überall den Eiffelturm, so dass er schon gar nicht mehr auffällt. Wir wollen ihn trotzdem noch aus der Nähe betrachten, darum gehen wir bei Anbruch der Dunkelheit auf ihn zu. Und, wie kitschig ist das denn: Er leuchtet nicht nur, nein, zur vollen Stunde fängt er auch noch für ganze fünf Minuten zu glitzern an. Zu hören ist da nur noch ein „Oooohh!!“ aus tausend Touristenmündern. Zu viel des Guten für meinen Geschmack.
Aber es gibt nicht nur Kitsch in Paris, sondern auch Penner: Die berühmten Clochards. Sie sind in allen Ecken zu finden, pinkeln überall hin und lieben die Metro. Irgendwie machen diese Clochards Paris etwas realer, authentischer und na ja, vielleicht sogar etwas stilvoller.
Eines der schönsten Gebäude in Paris ist die Kathedrale Notre-Dame. Die gotische Bauweise ist einfach genial und wenn man da rein geht, fühlt man sich ganz klein und unbedeutend. Sie wurde von 1163-1345 errichtet. Das muss man sich mal vorstellen: 182 Jahre lang haben Menschen an diesem Kunstwerk gebaut. Die Fensterbilder sind einfach wunderschön und so farbenprächtig. Dieses Gebäude stellt einfach alles in den Schatten. Was mich allerdings sehr stört, sind die Preisschilder in der Kathedrale: Da ein Stand, wo Kärtchen, Rosenkrätze und sonstiges religiöses Zeugs verkauft wird und da können Kerzen gekauft werden. Ich find ja das schon ein bisschen blasphemisch, in einer Kirche Dinge zu verkaufen. Was soll’s, in der weissen Kirche Sacré-Coeur ist es noch schlimmer mit dem Konsumverhalten.
Der Louvre ist übrigens auch sehr sehenswert. Aber es dauert Jahre, bis ein normaler Tourist wirklich alles darin sehen konnte. Die Mona Lisa ist allerdings sehr enttäuschend: voll klein.
Beim Hügel Montmartre tummeln sich die Künstler und Maler und dies ist wirklich ein erstaunlicher Anblick. Sie kritzeln ein paar Striche hin und schon ist ein perfektes Portrait entstanden.
Beim Hinunterlaufen kann es sein, dass der Tourist eines der bekanntesten Kabaretts sehen kann, nämlich Le Moulin Rouge. Da sollten alle aber ganz schnell vorbei laufen, denn unserem „Reiseführer“ ist es passiert, dass ihn eine junge Dame angesprochen hat: „Salut mon chèri!“ Durch unser Gelächter hat sie allerdings gemerkt, dass dieser Mann nicht zu haben ist.
Übrigens haben wir auch noch eine Freiheitsstatue gesehen. Hä? Die gibt’s doch nur in New York. Falsch! In Paris gibt es ganze vier Freiheitsstatuen.
Der Jardin du Luxembourg ist auch ein absolutes Muss! Da findet man eine der vier Freiheitsstatuen, allerdings nicht ganz so gross wie die in New York.
Wer das Grab von berühmten Persönlichkeiten besuchen will, sollte ohne Zweifel den Friedhof von Père Lachaise besuchen. Er scheint ein bisschen zerfallen, aber dies ist nur, weil alle Tote, wenn sie mal auf dem Friedhof sind, auch da bleiben. Es gibt uralte Grabhäuschen und wenn alle Familienangehörige gestorben sind, kann sich auch niemand mehr darum kümmern. Bei einigen Gräbern sind sogar meterhohe Bäume hinausgewachsen, was vom hohen Alter dieser Stätte zeugt. Aber zurück zu den Berühmtheiten: Leute wie Balzac, Chopin, Jim Morrison, Édith Piaf, Saint-Exupéry und Oscar Wilde sind da bestattet.
Was allerdings sehr anstrengend ist in Paris, ist das Metrofahren: Kaum ist man mal drin und kann sitzen, muss man auch wieder aussteigen und Kilometer um Kilometer herum laufen bis man den Ausgang oder die Anschlussverbindung findet. Dabei muss man zahllose Treppen hinauf und hinunter steigen; es nimmt kein Ende. Also rollstuhlfreundlich ist diese Stadt überhaupt nicht!
Das Essen wiederum ist délicieux in Paris. Mein Lieblingsrestaurant ist… ich weiss leider nicht mehr wie es heisst, aber es ist zentral gelegen und es hängt ein Fahrrad drinnen an der Decke, man kann es nicht verfehlen!
Fazit: Paris ist alles, ausser vielleicht die klischeehafte Stadt der Liebe. Es gibt wunderschöne Gebäude, ausserordentliche Architektur von alt bis neu und sogar die Clochards gehören einfach zu Paris wie der rostige Eiffelturm. Es lohnt sich auf alle Fälle diese Stadt zu erkunden. Ich war schliesslich auch nicht das erste und bestimmt nicht das letzte Mal in Paris. Vom Hörensagen habe ich nämlich mitbekommen, dass es unter ganz Paris Katakomben voller Skelette und Schädel gibt. Das muss ich unbedingt sehen!
Übrigens, falls ihr so wie der Rico hier auch mal wollt, dass ich für euch etwas erlebe, teste oder durchmache, dann schreibt einfach eine Mail an info@swiss-radio.ch und ich mach’s!
J.R. 

Freitag, 6. Januar 2012

Philosophieren über Identitätsbildung


Wer bin ich eigentlich? Wo gehe ich hin? Und wie viel Zeit werde ich noch haben? Dies sind wohl die philosophischsten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann.
Die Frage wer wir wirklich sind, kann ganz einfach beantwortet werden: Schau in den Spiegel, da siehst du dich. Aber da sehen wir nur die äussere Schicht, nur die Spitze des Eisberges. Unser Charakter, unser Denken und unsere Gefühle können wir nicht sehen; dies liegt verborgen. Biografien von berühmten Persönlichkeiten geben tiefe Einblicke in deren Welt und somit auch in ihr, na nennen wir es mal ihr Sein. Was den Meisten aber unklar ist, ist dass genau solche Biografien nur die positiven Aspekte der Person darstellen, oder das Wunschbild, das was die Person gerne sein würde. Denn seien wir ehrlich, wer würde schon ein Buch über sich selber veröffentlichen in dem steht: „ich bin ein Säufer und ein absolutes Arsch.“ (Ausser vielleicht Lemmy von Motörhead).
Das Gleiche sehen wir z.B. bei den Facebook Profilen: Sie geben nicht wirklich uns wieder, unser Sein, aber das, was wir gerne sein würden: Ein Partyhengst, eine Intelligenzbestie oder ein erfolgreicher Künstler. Die Identitäten, die wir von uns selber bilden, sind demnach nur Konstrukte.
Einige werden sagen, ich verstelle mich nicht, ich bin absolut authentisch. Doch wie oft fügen wir uns den täglichen Konventionen: Wir lachen in der Gruppe über einen Witz, den wir nicht verstanden haben – wir gehen feiern und machen richtig viel Party, obwohl wir lieber zu Hause im Bett sein würden – und wir tun so, als würden wir die komplizierten Äusserungen, die unsere Bekannten von sich geben, verstehen. Warum ist das so? Warum lachen wir über Witze, die wir nicht verstanden haben oder nicken freundlich, wenn uns jemand etwas Hochkomplexes erklärt? Warum gehen wir Party machen, obwohl wir lieber ein gutes Buch lesen würden? Wir wollen uns keine Blösse geben. Wir wollen das Konstrukt, dass wir genau so wie alle anderen auch den Witz verstanden haben, aufrecht erhalten. Wir wollen zeigen, dass wir genau so intelligent, oder kulturell oder partymässiggutdrauf sind wie alle anderen auch. Obwohl wir lieber etwas anderes machen würden, oder gerne nachfragen würden, wie der Witz oder das hochkomplexe Gedankenspiel gemeint ist.
Fazit: Wir sollten uns bewusster werden, wer wir, oder was unser Sein wirklich ist. Das, was wir gegen Aussen hin repräsentieren, sollten wir nicht unbedingt als unsere wirkliche Identität betrachten.
J.R.

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