Mittwoch, 21. September 2011

Für dich erlebt: Plattentaufe von The Burden Remains



Die Augen fühlen sich unglaublich schwer an, nur mit Mühe gelingt es mir, sie zu öffnen, und mit einem lauten Stöhnen versuche ich aufzustehen. Was ist letzte Nacht passiert? Alles, was mich daran erinnert, sind die Nackenschmerzen und meine total zerzauste Frisur: The Burden Remains gaben ein unglaublich energiegeladenes Konzert zum Besten. Es lohnt sich also, die Bruchstücke in meinem Kopf zusammenzusetzen und dieses Highlight nochmals Revue passieren zu lassen für diejenigen, die dabei waren und für alle, die sich fragen, ob es sich lohnt an ein Konzert von diesen Lausbuben zu gehen:
Nach langem Warten ist nun endlich der Moment gekommen, an dem die ehemals als Cideraid bekannte Band The Burden Remains ihr Album fertig gestellt hat und dies auch gebührend feiern wollen. Viele Metalfans aus verschiedenen Teilen der Schweiz pilgern zu diesem Anlass ins Nouveau Monde in Freiburg. Es kommen immer mehr bekannte Haarmonster in den Konzertsaal und Tommy Schweizer, dem Sänger und Bassisten, ist die Nervosität sichtlich ins Gesicht geschrieben. Schliesslich muss er seine Stimme schonen und isst zu diesem Zweck reichlich Ricola Bonbons. Nicht nur er, sondern auch die anderen Bandmitglieder haben sich auf diesen Anlass vorbereitet: Der Schlagzeuger Silvan Mangold scheint eine neue Frisur zu haben, doch verbirgt er diese ganz geschickt mit der Begründung: „Erst wenn das Konzert anfängt, nehme ich meine Mütze ab.“
Die geliebte Jeanskutte vom Gitarristen Thomas Jenny wurde hoffentlich zu diesem Anlass noch ein bisschen zusammengeflickt, damit sie den Strapazen standhalten kann, aber dies sind nur Spekulationen, denn was alt bewährt ist, sollte man nicht verbessern. Und auch der andere Gitarrist, Philippe Aebischer, hat wieder seine wunderschöne Gibson Les Paul dabei.
Nun ja, wie alle sehen können, haben sich die vier Freunde herausgeputzt, gut und lange vorbereitet auf diese Plattentaufe. Ihr Baby hat übrigens den Namen Downfall of Man und in ihren Texten ist dies auch das Thema.
Mit einem wuchtigen Anfang, namentlich dem Song To The Wolves, können die Fans nun endlich ihre Nackenwirbel strapazieren und die Haare zum Fliegen bringen. Die Musik scheint durch jedes einzelne Glied des Körpers zu rasen und erfüllt ihn mit einem Gefühl, dass ich nur mit dem Wort superkalifragilistikexpialigetisch bezeichnen kann. Da die Deutung dieses Worts allerdings vielseitig sein kann, versuche ich hierbei dieses Gefühl näher zu beschreiben: Wenn die Musik von The Burden Remains zum Ohr gelangt, löst dies sogleich eine höhere Gehirnaktivität aus. Es kommt zur Ausschüttung von Endorphinen, wobei der Schmerz, der sich im Rücken und im Nacken durch das Schütteln des Kopfes ausbreitet, unterdrückt wird. Kurz gesagt, man fühlt sich, als hätte man eine Droge eingenommen, denn man ist absolut begeistert und glücklich. Diese Droge hat allerdings keine Nebenwirkungen und ist total legal, doch Suchtpotenzial ist bei dieser Musik sicherlich vorhanden. Nun gut, ich schweife wieder einmal ab.
Doch, was wäre dies für ein Erlebnisbericht, wenn ich nicht kurz versuchen würde, den Stil von The Burden Remains zu beschreiben. Diese Musik mit einfachem Thrash Metal gleichzusetzen, wäre wohl the easy way out. So erinnern manche Songs an die Band Nevermore, allerdings lassen sich auch Elemente aus dem Death Metal wieder finden. Die Band selber beschreibt ihren Stil mit Begriffen wie Metal, Thrash und Progressive. Die Texte scheinen den Nerv der Zeit zu treffen: „Men are but creatures full of lust weak-minded treacherous and blind“ dieser Ausschnitt zeigt es deutlich: Es geht um den Mensch schlechthin, um seine Fehler und seine Unvollkommenheit, aber auch um unsere heutige Konsumgesellschaft.
Nun denn… Ihr seht (oder besser lest) es lohnt sich auf alle Fälle sich mit The Burden Remains auseinanderzusetzen und auch mal ein Konzert zu besuchen. Wer ihre Musik hören möchte, kann das gesamte Album gratis (!!!) auf ihrer Website www.theburdenremains.com herunterladen.
Und ich kann euch versichern, die Konzerte sind immer ein Highlight: Da sie nun nicht mehr Cideraid heissen und somit auch nicht mehr auf Cidre zurückgreifen können, entschieden sich die Jungs an der Plattentaufe eine Flasche Bourbon ins Publikum zu werfen, ganz im Sinne von The Bourbon Remains. Während des letzten Songs durften die Fans auf die Bühne und mit aufblasbaren Gitarren mitrocken.
Fazit: Nackenschmerzen am nächsten Tag sind also fast Pflicht, denn man muss zu dieser Musik einfach den Kopf schütteln.
J.R.

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