Freitag, 6. Januar 2012

Philosophieren über Identitätsbildung


Wer bin ich eigentlich? Wo gehe ich hin? Und wie viel Zeit werde ich noch haben? Dies sind wohl die philosophischsten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann.
Die Frage wer wir wirklich sind, kann ganz einfach beantwortet werden: Schau in den Spiegel, da siehst du dich. Aber da sehen wir nur die äussere Schicht, nur die Spitze des Eisberges. Unser Charakter, unser Denken und unsere Gefühle können wir nicht sehen; dies liegt verborgen. Biografien von berühmten Persönlichkeiten geben tiefe Einblicke in deren Welt und somit auch in ihr, na nennen wir es mal ihr Sein. Was den Meisten aber unklar ist, ist dass genau solche Biografien nur die positiven Aspekte der Person darstellen, oder das Wunschbild, das was die Person gerne sein würde. Denn seien wir ehrlich, wer würde schon ein Buch über sich selber veröffentlichen in dem steht: „ich bin ein Säufer und ein absolutes Arsch.“ (Ausser vielleicht Lemmy von Motörhead).
Das Gleiche sehen wir z.B. bei den Facebook Profilen: Sie geben nicht wirklich uns wieder, unser Sein, aber das, was wir gerne sein würden: Ein Partyhengst, eine Intelligenzbestie oder ein erfolgreicher Künstler. Die Identitäten, die wir von uns selber bilden, sind demnach nur Konstrukte.
Einige werden sagen, ich verstelle mich nicht, ich bin absolut authentisch. Doch wie oft fügen wir uns den täglichen Konventionen: Wir lachen in der Gruppe über einen Witz, den wir nicht verstanden haben – wir gehen feiern und machen richtig viel Party, obwohl wir lieber zu Hause im Bett sein würden – und wir tun so, als würden wir die komplizierten Äusserungen, die unsere Bekannten von sich geben, verstehen. Warum ist das so? Warum lachen wir über Witze, die wir nicht verstanden haben oder nicken freundlich, wenn uns jemand etwas Hochkomplexes erklärt? Warum gehen wir Party machen, obwohl wir lieber ein gutes Buch lesen würden? Wir wollen uns keine Blösse geben. Wir wollen das Konstrukt, dass wir genau so wie alle anderen auch den Witz verstanden haben, aufrecht erhalten. Wir wollen zeigen, dass wir genau so intelligent, oder kulturell oder partymässiggutdrauf sind wie alle anderen auch. Obwohl wir lieber etwas anderes machen würden, oder gerne nachfragen würden, wie der Witz oder das hochkomplexe Gedankenspiel gemeint ist.
Fazit: Wir sollten uns bewusster werden, wer wir, oder was unser Sein wirklich ist. Das, was wir gegen Aussen hin repräsentieren, sollten wir nicht unbedingt als unsere wirkliche Identität betrachten.
J.R.

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