Donnerstag, 28. April 2011

Philosophieren am Stammtisch übers Dick und Dünn sein

In unserer nach Perfektion strebenden Gesellschaft scheint neben Status und Geld nur noch eins zu zählen, das Aussehen. Schon im Kindesalter wird uns von den Eltern erklärt, was wir wieso nicht anziehen dürfen, denn die LEUTE könnten ja was Schlimmes über uns denken. Wer sind diese LEUTE, die den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun haben, als mit dem Fernglas am Fenster zu stehen und zu beobachten, wie die Nachbarskinder gekleidet sind?
Viel schlimmer wird es dann, wenn wir grösser werden. Mit einer regelrechten Gehirnwäsche wird uns eingetrichtert, dass es als Frau nur ein Ziel gibt im Leben: Dünn sein. Sobald Frau ein paar Kilos zu viel hat, wird sie darauf hingewiesen, dass sie doch bitte abnehmen soll. Sorry, aber an einigen Pfunden mehr auf der Waage ist doch wirklich nichts auszusetzen, oder? Bei starkem Übergewicht mit Folgen für die Gesundheit, kann ich es ja verstehen, aber auch da gilt: C’est le ton qui fait la musique! Denn viele Schlankheitsfanatiker weisen nicht nur auf die blosse Möglichkeit abzunehmen hin, sondern Frau wird geradewegs aufs Schafott gestellt und angeprangert: „Dein Arsch ist zu fett. In deinem Alter sollte man nicht mehr als 50Kg wiegen. Nein, dieses Eis solltest du jetzt wirklich nicht essen. Um Gottes Willen, wie du wieder aussiehst!“ Was soll das? Ist denn der Gesellschaft nicht bewusst, dass genau solche „gut gemeinten“ Aussagen fatale Folgen haben können? Wie vielen jungen Frauen, oder auch Männern, wurden somit unnötige Komplexe gemacht, wobei sie sich in eine zum Tod führende Magersucht gestürzt haben? LEUTE wacht auf! Überlegt bitte, bevor ihr es wieder einmal „gut meint“! Denn die Person, die die Kritik über ihren Körper ertragen muss, könnte gerade in einer instabilen psychischen Verfassung sein, was ja in unserer stressigen Zeit nicht gerade selten vorkommt. Und das „du bist zu fett“ könnte gerade ihr Gnadenstoss sein, wobei Selbstmord die Folge sein kann.
Der Gesellschaft soll gesagt sein: Es ist gut anders zu sein, es müssen nicht alle Menschen auf dieser Welt dünn sein, wir müssen nicht alle der Norm entsprechen. Und was ist schon die Norm? Ein weiteres Konstrukt unserer Gesellschaft!
Auch wenn es übertrieben utopisch klingt: Lasst uns stolz auf unserer Kilos sein und scheiss drauf, was die LEUTE von uns halten!
J.R.

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