Mittwoch, 4. Mai 2011

Philosophieren am Stammtisch über die Liebe

Die Rose, die Lilje, die Taube, die Sonne,
Die liebt ich einst alle in Liebeswonne.
Ich lieb sie nicht mehr, ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
Sie selber, aller Liebe Bronne,
Ist Rose und Lilje und Taube und Sonne.“ Heinrich Heine

Kurz gesagt: Es ist Frühling, die Vögel zwitschern und überall blühen kitschige Blumen. Mit diesem Phänomen verbunden regt sich auch etwas im Menschen, es wird richtig warm um sein Herz und ein Wonnegefühl überkommt ihn: Die Frühlingsgefühle sind erwacht und es der ideale Zeitpunkt um sich zu verlieben!
Doch was ist die Liebe? Schmetterlinge im Bauch treten oft als Vorboten für diesen Gemützustand auf, doch sagt uns nicht ein Sprichwort, dass wir uns um diese Emotion zu erzeugen auch Raupen in den Arsch schieben können?
Für Teenager ist Liebe wohl eine Ansammlung von Hormonen, vor allem wenn sie eine hübsche Bitch oder einen heissen Motherfucker sehen. Doch was ist, wenn aus den tapsigen Jugendlichen alte Säcke geworden sind, reichen da die Hormone noch aus, um wirklich von Liebe zu sprechen? Das blosse „ich liebe dich, weil ich Sex mit dir haben möchte“ reicht für eine langfristige Beziehung nicht aus (wobei Ausnahmen die Regel bestätigen). Als alter Sack noch nach der grossen, wahren, echten Liebe zu suchen ist einfältig. Dies scheint nur ein Privileg in Hollywoodfilmen zu sein. Das Happy End bleibt aus.
Die Anfangseuphorie trägt die Beziehung vielleicht zwei, drei Jahre, doch danach bleibt der beschissene Alltag übrig. Am Ende hat man jemanden, der einem seinen ekligen Furunkel auf dem Fǜdli zeigt und fragt, ob man doch so gut sein könne und das Ding mit Salbe einzuschmieren. Der sich mit einem über die Ungerechtigkeit der Welt aufregt, und der auch noch den Vorschlag macht ein paar Köpfe einzuschlagen, damit die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird. Ist das Liebe? Unbedingt! Denn das, was andauert, ist eine tiefe Freundschaft, die sich nicht vor Furunkeln ekelt und die bereit wäre, für den anderen bis ans Äusserste zu gehen. Sprich: die Liebe ist das, was bleibt.
Die anfängliche Geilheit verblasst, die Vertrautheit hält stand. Wenn man schliesslich sagen kann „bei dir kann ich so sein, wie ich wirklich bin“ steht einem Happy End nichts im Weg.
Also, lasst uns auf Furunkeljagd gehen und hoffen, dass sich die Raupen im Arsch in schöne Schmetterlinge im Bauch verwandeln!
J.R.

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