Die Stimme aus Hel’s Reich
Ein tiefes Lachen erfüllt den Konzertsaal in Zürich am vergangenen Montag; Donner ist zu hören und Blitze zu sehen. Einige Besucher werden denken, dass es wohl besser gewesen wäre, den Regenschirm einzupacken. Doch das Gewitter tobt auch ohne Regen und die schwedische Death-Metal Band Amon Amarth lädt zur Huldigung der alten Götter ein.
Das Konzert steht im Zentrum des im März erschienenen Albums Surtur Rising, welches dem Herrscher über Muspelheim und Feuerriesen Surt gewidmet ist.
Das obligatorische Trinkhorn ist wie immer an Johan Hegg’s Gürtel befestigt, aus welchem er sich reichlich bedient als die Menge „ex, ex, ex…“ ruft. Etwas später gibt es noch ein Schnäpschen und somit wird auch klar, warum seine Stimme sich anhört, als wäre sie in den Tiefen der Hel entstanden. Textlich bleiben sich die Schweden treu: Wie immer sind die Werke auf die nordische Mythologie bezogen und auch optisch sehen die Musiker aus, als wären sie aus der Zeit der hünenhaften Wikinger entsprungen.
Was allerdings nicht ganz zu ihrem Erscheinungsbild passt ist die Lichtshow: Farben wie grün, lila und türkis scheinen da etwas fehl am Platz. Aber dies scheint das Haar schüttelnde Publikum nicht zu stören. Auch der Fakt, dass die Gitarrenklänge von Söderberg und Mikkonen fast untergehen, scheint keine Wichtigkeit zu haben. Von Interesse ist lediglich, dass Amon Amarth es schaffen, bis zu den letzten Reihen die Zuhörer zum Headbanging zu animieren. Sänger Johan Hegg scheint diese Momente sichtlich zu geniessen und bedankt sich auf Deutsch: „Sie sind ein verdammt gutes Publikum!“ Eine derartige Höflichkeit ist bei diesem bärtigen Riesen eher unerwartet, aber erfreulich.
Mit Geschenken für die Fans verabschieden sich die fünf Schweden und die tief klingende Stimme des Sängers wird noch für eine ganze Weile in den Ohren der Besucher dröhnen.
J.R.

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