Dienstag, 6. September 2011

Philosophieren über das Gesetz des Widerspruchs

Wie Heinrich von Kleist schon einmal bemerkte, sind wir dem Gesetz des Widerspruchs unterworfen. Dies soll nun kurz erläutert werden: Das Gesetz besagt, dass wir immer das Gegenteil tun von dem, was uns gesagt wird oder unserem Gegenüber auch stets widersprechen. So sagt zum Beispiel unsere Mutter zu uns, in frühen Kinderjahren, dass wir den Kaktus auf dem Balkon nicht berühren sollen, da dieser sticht. Und was tun wir? Wir glauben dieser alten Frau nicht, denn die Pflanze sieht so schön weich und fluffig aus und wir sind überzeugt, dass dieser Kaktus uns niemals stechen wird. Ein lautes „Au!“ ist die Folge von unserem Wunsch der Mutter das Gegenteil zu beweisen.
Aber auch in unseren Erwachsenjahren lässt sich dieses Phänomen beobachten. So sagt mein Kollege beispielsweise, dass das Gitarrensolo von folgendem musikalischen Stück einfach das Beste seit Jimmy Hendrix persönlich sei. Ich schwöre auf Himmel und Hölle, würde sogar meine Hand dafür ins Feuer legen und sage, dass dies das schrecklichste Gitarrengequietsche ist, das ich jemals gehört habe. Ja es sei sogar eher mit dem Krächzen eines malträtierten Meerschweinchens zu vergleichen, als mit musikalischen Tönen und dies sage ich alles nur, weil ich meinem Gesprächspartner nicht zustimmen will.
Warum tun wir das? Warum machen wir das Gegenteil von dem was uns unsere Eltern sagen und warum widersprechen wir unseren Gesprächspartnern? Ist es der Wunsch nach Individualismus? Dem Wunsch sagen zu können: „Nur weil das dir passiert ist muss es mir nicht auch passieren“ oder „nur weil du das so siehst muss es noch lange nicht stimmen“?
Es sei dahingestellt, was uns dazu bewegt, immer und überall zu widersprechen, aber wenn man sich dieses Phänomens erst einmal bewusst ist, ist es doch äusserst amüsant den Leuten bei ihren Gesprächen zuzuhören und wenn einer sagt: „Guck mal dieses hässliche Kleid dort“ wird man als aufmerksamer Zuhörer wissen, was der Andere zur Antwort geben wird.
J.R.

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